Vor gar nicht allzu langer Zeit ging ein ehemaliger Mitarbeiter der CIA mit einer schon lange gehegten Befürchtung an die Öffentlichkeit: Sie können alles lesen, sehen, hören. Fast alles. Die Aufregung legte sich schnell, bloß einige Nerds luden zu „Crypto-Parties“ ein. Doch weder gab es was zu feiern, noch sind wir heute alle verschlüsselt im Netz. Dabei ist das fatal.

Maleka Wiedermann für transform

Maleka Wiedemann für transform

Die Geheimdienste der Welt und gewinnorientierte Unternehmen sind zunehmend in der Lage, Informationen über uns zu sammeln und vor allem zu speichern. Das Problem daran: Was einmal da ist, wird wohl nicht mehr verschwinden. Und eines Tages kriegt vielleicht nicht nur ein irrtümlich Terrorverdächtiger Probleme, sondern auch jemand, der Missstände bei seinem Arbeitgeber ankreidet. Oder eine Krankenversicherung bekommen will. Die Methoden zum Selbstschutz gelten als unsexy und kompliziert, alternative Software als umständlich und hässlich. Dabei gibt es ein paar Tricks, mit denen du eigentlich kaum etwas ändern musst und trotzdem digital sicherer unterwegs sein kannst.

Surfen wie ein Pro

Es gibt viele Möglichkeiten, wie ein echter Nerd im Web unterwegs zu sein. Das hier sind die allereinfachsten, die du innerhalb von zehn Minuten auf dem Kasten hast. Öffne Chrome oder Firefox und installiere dort folgende Add-ons.

  • HTTPS Everywhere
    Sorgt dafür, dass deine Verbindungen zu Webseiten verschlüsselt sind.
  • Disconnect
    Hindert Werbetracker und soziale Netzwerke, zu protokollieren was du gerade machst.
  • uBlock
    Blockiert jegliche Werbung.

Damit bist du zwar noch nicht wirklich ein Profi im strengsten Sinne. Aber ganz ehrlich: Wen interessiert das schon. Du bist verschlüsselt unterwegs, siehst keine Werbung mehr, und machst es riesigen, datensammelnden Maschinen immerhin etwas schwieriger, an Informationen über deine angesteuerten Webseiten oder Konsumvorlieben ranzukommen.

Datensammler entschärfen

Maleka Wiedermann für transform

Maleka Wiedemann für transform

Wir alle genießen sie hin und wieder: die Dienste der ganz großen Webseiten. Von A wie Amazon bis Z wie Zalando. Doch sie verfolgen uns auf Schritt und Tritt, und selbst kostenlose Services wie Google bitten uns indirekt zur Kasse, indem sie unsere Mails nach Keywords scannen und unsere Suchanfragen speichern. Dabei bieten fast alle Dienstleister auch einen Aus-Schalter für allzu ungezügelte Datensammel-Leidenschaft. Ein paar Beispiele, die du ohne großen Aufwand sofort umsetzen kannst:

  • Googles Datenhunger limitieren
  • Cookies: Personalisierte Werbung aussperren
  • Amazon: „Mein Konto/ Browserverlauf anzeigen/Verlauf“ → Verlauf ausschalten
  • Google Suche: Browser Add-on „Google HTTPS Search“ installieren, um deine Suchanfragen verschlüsselt zu übertragen.
  • Windows 10: Tool „W10Privacy“ downloaden und konfigurieren
  • Facebook: Personalisierte Werbung ausschalten. Menü-Pfeil oben rechts/ Einstellungen und dann links „Werbeanzeigen“ auswählen. Dort jeweils „Nein“ bzw. „Niemand“ wählen.
  • Whatsapp ohne Facebook:„Einstellungen/ Account/ Meine Account-Info teilen“ → Häkchen entfernen

Im Darknet sieht dich keiner

Maleka Wiedermann für transform

Maleka Wiedemann für transform

Dein Internetanbieter weiß ganz genau, dass du letzte Freitagnacht auf eBay nach einem Dampfkochtopf gesucht hast. Wusstest du das? In New York ist eine Frau für eine solche Suchanfrage, kombiniert mit der Terrorismus-Recherche ihres Sohns, schon von einem Einsatzkommando besucht worden. So gehst du vor, um zu verschleiern, welche Seiten du von wo aufrufst – sodass auch Seitenbetreiber nicht wissen, wer du bist: Lad dir den Tor-Browser 
auf deinen Rechner oder die App Orbot für dein Android-Gerät runter. Nach der Installation wirst du über eine ganze Kette von Nutzerinnen und Nutzern zwischengeschaltet – so wird es beinahe unmöglich für andere zu sehen, wo du surfst.


 

Dieser Artikel wurde in der dritten Ausgabe des transform Magazins gedruckt, welche du hier bestellen kannst. Ausgabe 2 & 3 im Kombipaket sind momentan 15% günstiger.

Fotografie: Maleka Wiedemann

 

 

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Tor: So bleibst du im Internet anonym

 

 

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