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BLOG ZUM MAGAZIN FÜRS GUTE LEBEN

April 2017
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The Onion Routing Protokoll kurz Tor, verschleiert deine wahre Identität im Internet. In vielen Ländern gehen Menschen via Tor ins freie Internet. Aktivisten aller Couleur nutzen es, um sich staatlicher Repression zu entziehen. Je mehr normale User Tor nutzen, desto schwieriger wird es für Diktaturen und Geheimdienste, Aktivisten und Journalisten aufzuspüren.

Du wolltest schon immer mal Tor benutzen und anonym abtauchen? Mit dem Tor Browser ist das so einfach wies Brezel backen. Du kannst unter https://www.torproject.org/ den Tor Browser herunterladen, entpacken und einfach ausführen und beginnen im Internet herumzusurfen. Das ist alles.

Böses Darknet?

Hin und wieder kommt ein Schlaumeier daher und sagt: „Ui… Darknet, da sind nur Verbrecher unterwegs, Waffen- und Drogenhandel florieren und ganz viel anderer Dreck ist dort am Start“. Lass dir nichts einreden. Der Begriff „Darknet“ ist ein Modewort. Wer ihn ernsthaft gebraucht, hat keine Ahnung vom Internet. Ja, man kann auf versteckten Marktplätzen allerlei Dinge ordern, ob online oder offline, wir leben in einer Welt wo es Schwarzmärkte gibt. Die Schweizer Künstlergruppe Bitnik hat 2014 gar einen Bot gebaut, der wahllos Sachen aus illegalen Warenhäuser bestellt und kauft und sich zusenden lässt. Neben Nippes waren auch 10 Ecstasy-Pillen dabei, ok.

Dass das Tor-Netzwerk so quälend langsam sei, stimmt auch nicht mehr. Mag sein das es ein bisschen langsamer ist als normal, aber man kann seit einigen Jahren schon flott damit arbeiten.

Sie wissen, was du online tust

Im Internet ist nichts anonym. Dein Internetanbieter (Internetserviceprovider, ISP) weiß auf welchen Webseiten und Portalen du wie lange unterwegs warst und welche News du dir angesehen hast, auf welche Links du klickst und welche Bilder du herunterlädst. Aber nicht nur dein Internetserviceprovider weiß es, auch so mancher Geheimdienst. Die Enthüllungen von Edward Snowden haben gezeigt, dass der britische Geheimdienst GCHQ einen fulltake des gesamten Internetverkehrs der über ihre Insel läuft aufzeichnet – einmal komplett. Und es läuft verdammt viel Traffic über Großbritannien. 2013 konnte der GCHQ den Komplettverkehr von drei vollen Tagen aufzeichnen und dreißig Tage Metadaten speichern. Heute werden es mehr sein.

Viele Länder haben eine Vorratsdatenspeicherung, nicht nur Deutschland. Auch dort wird gespeichert wer, wie lange, wo, und wann wie Online war. Die IP-Adresse die jedem Internetanschluss zugewiesen wird, macht jeden Identifizierbar.

Tor hilft

Das Tornetzwerk verhindert das. Dazu baut das Torprotokoll eine Kaskade von drei hintereinander geschalteten Torknoten auf. Den Entrynode, Middlenode, Exitnode. Wenn die Kaskade steht werden deine Anfragen zuerst durch die drei Knoten geleitet und dann erst ins offene Internet. Inzwischen gibt es mehr als siebentausend dieser Knoten, deswegen ist das Netzwerk auch nicht mehr so langsam wie früher. Ein Torknoten aufsetzen und betreiben ist zwar auch nicht besonders kompliziert, damit muss sich aber der normale User überhaupt nicht auseinander setzen, er kann einfach lossurfen.

Und du kannst Dissidenten schützen

Wenn nur Leute das Tornetzwerk nutzen, die tatsächlich kritische Sachen machen, sei es eine investigative Recherche oder Kommunikation politisch Verfolgter, ist klar, dass jeder Datenstrom zu einer Interessanten Person führt. Jetzt kommst du ins Spiel. Je mehr unbescholtene Bürger das Tornetzwerk benutzen, desto größer wird das Datenrauschen innerhalb des Netzwerks und diejenigen, die wirklich Angst haben müssen, sind besser geschützt. Es wird für Geheimdienste einfach sehr viel schwieriger die für sie interessanten Personen dingfest zu machen. Hier hilft dein Klicktivismus mal wirklich.

 

René ist Commonsaktivist, macht Cryptoparties und findet freie Software großartig.
Dieser Beitrag steht explizit unter folgender Lizenz: CC BY-SA 4.0 international

Beitragsbild: Caroline Methot unsplash.com CC Zero


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