Links sein heißt auf nichts mehr zu warten

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Ihr versteht uns nicht. Ihr sagt, wir, die junge Generation, seien nicht politisch genug. Rücksichtslos. Selbstbezogen. Wir würden lieber Fotos von unserem bio-veganen Essen posten, als wirklich etwas zu verändern. Ihr seid die Rentnerlinke. Ihr sagt, früher wäre alles besser gewesen. Oder zumindest die Revolten.

Ich sage: Jetzt lasst mal die Jugend ran!

 

Kommunistische Kundgebung in Australien, 1934 (Flickr Commons)

Klar, die politische Linke hat sich verändert. Wir wollen heute mit der DDR nichts zu tun haben, statt Steinen schmeißen wir Seedbombs und tragen nur Schwarz, wenn wir feiern gehen. Aber Eure Kritik zeigt, was Euer eigentliches Problem ist: Dass Ihr glaubt, dass es einen richtigen Weg in die Gerechtigkeit gibt, dem wir alle im Gleichschritt folgen müssen. Kein Wunder, dass heute kein Arbeiter mehr etwas mit Eurer Ideologie zu tun haben will.
Wir machen´s anders! Ihr wollt wissen, was links sein im Jahre 2016 heißt? Na, dann passt mal auf:

Links sein heißt heute auf nichts mehr zu warten.

Nicht auf die Revolution, nicht darauf, dass Wahlkampfversprechen eingehalten werden. Wenn Ihr es nicht hinbekommt einen würdigen Lohn zu zahlen, dann gründen wir halt ein Start-up und bezahlen uns selbst. Wenn Euch nicht mehr einfällt, als eine Mietpreisbremse: Too bad. Wir sind mittlerweile im Mietshäusersyndikat oder bauen uns ein Tiny House. Und wenn Ihr nervt, rollen wir einfach woanders hin.
Wir trinken Leitungswasser oder Kaffee von unabhängigen Kooperativen. Wir fahren U-Bahn, wenn es sein muss, aber am liebsten Fahrrad. Wir retten Lebensmittel oder kaufen in der Food-Coop um die Ecke ein. Wir organisieren Tauschpartys, Umsonst-Konzerte, Open-Source-Hackathons und geben dem Obdachlosen vom Leopoldplatz immer wenn wir können einen Kaffee aus. Der Soundtrack zu unserem Leben ist „Hurra, die Welt geht unter“.
Und wenn dann in 10 Jahren Euer Kapitalismus wieder einmal zusammenbricht, Eure Aktien nichts mehr wert sind, Eure Umsätze einbrechen; bekommen wir davon nur aus der Zeitung mit. Euren Luxus kann und will die Welt nicht mehr verkraften.
Aber unser Luxus heißt Freiheit. Und wir leben ihn schon heute.

transform-Debatte: Was ist links?

Jonathan erkennt man leicht an seinen Locken und seiner „Das-Leben-ist-schön“-Mentalität. Weil das Leben aber noch viel schöner sein könnte, macht er Projekte zum neuen Arbeiten, ein globales Trinkgeld und schreibt jetzt für die Transform.

Beitragsbild: Tina Floersch CC0 unsplash.com

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