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Die Optimierung ist längst beim Menschen selbst angekommen. Offenbar sind selbst natürlichste Bedürfnisse einigen ein Dorn im Auge. Mithilfe von Tricks sollen sie unterdrückt werden.

Die Welle der „Foodies“ mit ihrer (oft in erster Linie mit Instagram) zelebrierten Kochkunst und den Rezepten schien ein wenig abzuebben. Statt Fotos von überteuerten Cupcakes schwemmten Beiträge über Rob Rhinehart die „sozialen“ Netzwerke. Rob entwickelte Soylent, das bekannt gewordene Pulver, welches alle nötigen Nährstoffe enthält und das Essen „unnötig“ machen soll. Anscheinend empfindet nicht nur er die Zeit zum Kochen und Essen als Zeitverschwendung. Nach nur 2 Stunden sammelte er mit seiner Crowdfundingkampagne 100.000 US-Dollar ein.

Auch ein deutsches Pendant wird es in Kürze geben: Daizu wird bereits in 2 Geschmacksrichtungen als Probepackung verbreitet. Hergestellt wird das Pulver in Bayreuth.

Pulver, die als nahrhaft verkauft werden, gibt es schon seit einiger Zeit. Doch anders als Proteinpulver oder Nahrungsergänzungsmittel sollen Soylent und Daizu Mahlzeiten nicht nur ergänzen, sondern ersetzen. Zielgruppe sind also weder Bodybuilder noch Hypochonder, sondern anscheinend in erster Linie Hardcore-Selbstoptimierer und Hacker. Nicht per Zufall umschreibt Rob Rhinehart seine Unternehmensidee als „Foodhack“.

Wenn wir schon das Essen effizienter gestalten, um noch mehr arbeiten oder unseren Lifestylehobbys nachgehen zu können, warum nicht auch konzentrierter trinken und auf dehydrierenden Kaffee und Alkohol verzichten? Am Besten wäre es doch, eine Pille zu entwickeln, die das Trinken ganz und gar unnötig macht!

Dazu braucht es nun kein Startup, Antoine de Saint-Exupérys kleiner Prinz hat den Entwickler einer solchen Pille im 13. Kapitel von „Der kleine Prinz“ bereits getroffen.

 

11522522574_36695aee1e_o„Guten Tag“, sagte der kleine Prinz.
– „Guten Tag“, sagte der Händler.

Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckte jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu trinken.

„Warum verkaufst du das?“, sagte der kleine Prinz.
– „Das ist eine große Zeitersparnis“, sagte der Händler. „Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der Woche.“

„Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?“
-„Man macht damit, was man will…“

„Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte“, sagte der kleine Prinz, „würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen…“

 

 

Fotos: Sally (Titelfoto) & Monday morning via photopin (license: CC)

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