Ein Fernbus ist schön, ein Fernbus hat WLAN und eine Fahrt mit ihm kostet wenig. Die Fahrt nach Berlin schlägt nicht einmal 30 Euro zu Buche. Würde ich mit der Bahn fahren, müsste ich je nach Verbindung bis zu drei Mal mehr bezahlen. Klar, dafür fahre ich mit dem Bus auch fast doppelt so lange. Aber immerhin gibt es Raucherpausen – dafür muss man bei der Bahn umsteigen und auf dem Bahnsteig den gelb markieren Raucherzoo suchen.

Auch die Schauermärchen, die ich über Fernbusse hörte, kann ich kaum bestätigen. Der Fahrer ist nett, Toilette und Klimaanlage funktionieren. Bei gefühlt 30 Grad um 12 Uhr mittags ist vor allem letzteres überlebenswichtig. Würde ich mit der Bahn fahren, könnte ich mir nicht sicher sein, ob der Innenraum des Zuges nicht einer Sauna gleicht. Schließlich schafft es die Deutsche Bahn seit Jahren nicht, ihre Klimaanlagen zuverlässig einzusetzen.
 Über das Flugzeug als Verkehrsmittel brauchen wir gar nicht erst reden. Wenn es wirklich mal nicht anders geht (was dummerweise Auslegungssache ist) kann man meinetwegen fliegen, aber notwendig ist das auf meinem Weg von Duisburg nach Berlin nie gewesen.

Also alles super? Verbraucherempfehlung: Fernbusanbieter? Jein.

Doch wie umweltschonend ist das Fahren mit einem Fernbus eigentlich – vor allem im Vergleich zum Zug? Schließlich gilt der Zug als grüner und umweltverträglicher als alle seine Alternativen. Der Fernbus und das Auto haben dagegen nicht das beste Ökoimage. (Meist zu Recht.) Ein schlechtes Image in Hinsicht auf Verbrauch und CO2-Austoß, nur noch geschlagen vom Flugzeug. (Immer zu Recht.)

Die Deutsche Bahn sagt von sich selbst, „Umwelt-Vorreiter“ werden zu wollen. Der deutsche Fernbus-Marktführer behauptet hingegen, am klimafreundlichsten zu sein. Auf der Fernbus-Website wird das Umweltbundesamt als Quelle genannt. Nähere Informationen gibt es nicht. Also selber suchen.

Emissionen im Vergleich. Umweltbundesamt, TREMOD (2016)

Laut einer Vergleichstabelle des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2016, das sich auf Werte von 2014 bezieht, schneiden Reisebusse vor allem bei dem Ausstoß von Treibhausgasen am Besten ab. Dort haben sie mit 32 Gramm pro Person pro Kilometer die besten (also niedrigsten) Werte. Dicht gefolgt von der Bahn mit 41 Gramm Treibhausgasen pro Person pro Kilometer. Und auch der Benzinverbrauch pro Person pro Kilometer ist mit 1,4 Liter der beste.

Wieder ist die Bahn laut dieser Statistik nur zweitbester mit 1,9 Litern pro Person pro Kilometer. Dagegen punktet sie gut, also niedrig, in den Kategorien Kohlenmonoxid, flüchtige Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Feinstaub. In all diesen Kategorien ist die Bahn zum Teil deutlich umweltfreundlicher als der Fernbus.

Genaue Daten zu Fernbussen liegen nicht vor

Allerdings bezieht sich die Statistik nicht nur auf Fernbusse, sondern auch auf Busse, die zum Beispiel für Kaffee- oder Klassenfahrten eingesetzt werden. Dazu schreibt das Umweltbundesamt: „Welche Emissionen von Treibhausgasen und Luftschadstoffen vom Fernlinienbusverkehr konkret ausgehen, ist nicht bekannt. Die Emissionswerte für den Reisebus, die in die Tabelle zum Umweltbundesamt-Verkehrsträgervergleich eingehen, sind nicht direkt auf den Fernlinienbus übertragbar. Dies liegt daran, dass die Auslastung – also die Anzahl der tatsächlich besetzen Sitzplätze – beim Fernlinienbus geringer ist und dem Umweltbundesamt bisher auch keine Daten zum Flottenbestand der Fernlinienbusanbieter vorliegen.“

Feinstaub: „Da ist der Bus vier Mal gesundheitsschädlicher als die Bahn, dies gilt besonders in den Städten“

Sicher ist man sich beim Umweltbundesamt aber, dass der Reisebus, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Fernbus, bei Emissionen wie Feinstaub und Stickoxiden schlechter dasteht als die Bahn: „Da ist der Bus vier Mal gesundheitsschädlicher als die Bahn, dies gilt besonders in den Städten“, heißt es auf der Website. Aber so schlimm kann ein Fernbus dann wohl doch nicht sein.

„Mit Sicherheit kann man jedoch sagen, dass Bus und Bahn deutlich umweltfreundlichere Reisemittel sind als Auto und Flugzeug. Der gut besetzte Fernlinienbus ist also besser als der Kleinwagen, in dem wenige Personen sitzen“, so das Umweltbundesamt. Soweit, so logisch. Was hingegen was schon überraschend ist: Das Umweltbundesamt lobt den Service der Buslinien, der auch die Bahn dazu bewege, ihr Angebot zu verbessern.

Letztlich tun sich also beide Unternehmen nicht viel, wenn es um Umweltschutz geht. Beide bieten außerdem klimaneutrale Tickets an. Für ein bisschen mehr Geld sollen die Schäden, die an der Umwelt angerichtet werden, kompensiert werden. Wie sinnvoll das sei, ist umstritten. Besser als nichts ist es aber auf jeden Fall. Anders sieht es hingegen bei den Arbeitsbedingungen aus. Da schneiden Fernbusanbieter, allen voran der Marktführer, deutlich schlechter ab als die Deutsche Bahn – Auch wenn bei beiden die Arbeit hart ist. Die Bezahlung zumindest ist bei der Deutschen Bahn deutlich besser.

Letztlich brauche ich also kein wirklich schlechteres Gewissen zu haben, wenn ich mit dem Fernbus statt mit der Bahn habe. Jedenfalls, wenn es um Klimaaspekte geht. Die Arbeitsbedingungen hingegen sind deutlich schlechter. Wenn ich es mir leisten kann, werde ich wohl auf den Zug umsteigen.

Beitragsbild: Samuel Foster (Unsplash), CC0

 

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