Eigentlich wollen wir spenden. Doch wir scheuen uns oft davor, es letztlich zu tun. Warum das so ist und wie wir gut spenden können, ergründet unsere Gastautorin.

Ich würde mich eigentlich als recht sozialen Mensch bezeichnen: Ich diskutiere leidenschaftliche gerne über Gerechtigkeit, unterstütze Petitionen, ziehe bei Demos mit und engagiere mich seit Jahren ehrenamtlich. Aber Geld spenden? Puh, das fiel mir immer schwer.

Vielleicht liegt es an der Erziehung – als Kind jugoslawischer Einwanderer war das früher nicht unbedingt ein Thema –, vielleicht ist es die Unsicherheit vor Spendenbetrug, vielleicht ist es aber auch schlichtweg Geiz. Jedenfalls ist Geld spenden mein wunder Punkt!

Common Goal – Fußballer machen es vor

Als im August 2017 Fußballer verkündeten, 1% ihres Gehalts für soziale Zwecke zu spenden, hatte zuerst mein Mann mich darauf aufmerksam gemacht. Bei der Aktion „Common Goalruft der Spanier Juan Mata seine Fußballer-Kollegen dazu auf, sich ihm anzuschließen und monatlich einen Teil ihres Lohns zu spenden. Seinem Ruf ist Mats Hummels bereits gefolgt. Unterstützung findet die Aktion von streetfootballworld, einer Nichtregierungsorganisation, die sich weltweit für die Entwicklung junger Menschen durch Fußball einsetzt.

Zu Hause haben wir darüber diskutiert: Ist das kleinlich? Diese Fußballer verdienen schließlich im Millionenbereich. Oder ist das ein Ziel, das eigentlich fast alle recht leicht umsetzen könnten? Wie viel wäre das denn bei uns?

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das gar nicht kleinlich ist, sondern mich mental sogar ein bisschen Überwindung kostet. Worauf ich dadurch jeden Monat verzichten müsste, ließ sich schnell ausrechnen: Ungefähr ein Mal weniger Essen gehen pro Monat. Laut einem Spendenrechner vom SPIEGEL lägen wir dabei sogar weit über dem deutschen Durchschnitt. Mit diesen nüchternen Zahlen und Fakten konfrontiert, war mir sofort klar: Wir machen da mit!

Wofür es sich zu spenden lohnt

Es gibt unzählige Projekte, die Unterstützung benötigen und sehr viele Organisationen. Von den großen Wohlfahrtsverbänden bin hin zu vielen kleineren und unbekannteren Vereinen – die um Spendengelder bitten. Dass man schnell den Überblick verlieren kann, steht außer Frage.

Hier hilft es sich seiner persönlichen Schwerpunkte bewusst zu werden und so gezielt nach Hilfsprojekten zu suchen. Vom Katastrophenschutz in einer Erdbebenregion über Menschenrechte in China bis hin zur Förderung von politischer Bildung in Deutschland – je konkreter die Spendenabsicht, desto leichter ist es ein passendes Projekt und eine geeignete Organisation zu finden.

Eine Garantie gegen Spendenbetrug gibt es natürlich nicht, aber wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich zum Beispiel an dieser oder dieser Stelle informieren. Über Spendenplattformen wie betterplace.org ist es gerade am Anfang leicht, Informationen über Projekte und Organisationen zu erhalten, auch können die Verantwortlichen unkompliziert angeschrieben werden.

Es wird Zeit, dass wir was ändern

Sowohl bei großen Organisationen als auch kleinen Vereinen gilt: Ich kann gründlich recherchieren, einen Blick in den Jahresbericht werfen und persönlichen Kontakt aufnehmen. Das dauert, hat aber den positiven Nebeneffekt, dass ich meinen Horizont erweitere und besser einschätzen kann wofür meine Spende verwendet wird.

Aber mussten die Fußballer ihre Spendenaktion eigentlich an die große Glocke hängen? Ganz klar, ja! Denn ohne die PR und das Presseecho wären wir nie auf die Idee gekommen, uns dieses simple aber gut erreichbare Ziel zu setzen. Ein Ziel, das unglaublich viele Menschen auch erreichen können. In unserer Gesellschaft wird generell so wenig über Geld gesprochen, da kommt kaum ein solcher Ansporn zu standen, es wird Zeit das wir das ändern.


Bild: Privat

Nikolina Klatt ist ausgebildete Kunsthistorikerin und Studentin der Politikwissenschaft und Soziologie an der FernUniversität Hagen. Nach Stationen in Wien, Edinburgh und Stuttgart lebt sie seit April 2017 in New York City wo sie u.a. an der Programmplanung der Youth Assembly at the United Nations beteiligt ist.

 

Beitragsbild: Fabian Blank auf Unsplash

 

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