Sollen wir immer auf rechte Aktionen reagieren?

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Man muss zugeben: Die Aktion war wirklich ziemlich lächerlich. Knapp 30 Anhänger der rechten Identitären Bewegung (IB) sitzen vor der verlassenen Berliner CDU-Parteizentrale und deuten es später in sozialen Netzwerken als „Besetzung“ um. Soweit so unspektakulär. Aber die Aktion der Identitären geht viral. Zwar nicht, wie sie sich es vermutlich gewünscht haben – Aber Aufmerksamkeit gab es trotzdem. Unter dem Hashtag #Ibsterblockade posteten Twitter-Nutzer Memes zu der Aktion, in der sie die „Besetzung“ noch lächerlicher machten als sie sowieso schon war. Witzig ist das allemal. Die Frage ist, ob das für die IB nicht eine durchaus willkommene Möglichkeit für mehr Aufmerksamkeit ist.
Schließlich ist die IB, zumindest in Deutschland, extrem klein. Zu einer Demonstration am 17. Juni in Berlin waren 400 Personen angemeldet worden – Es kamen 150. Bundesweit, so schätzt das Landesinnenministerium Niedersachen, liegt das Mitgliederpotential der rechten Gruppierung bei nur ungefähr 300 Personen.

Dass eine Gruppe mit einer so kleinen und ziemlich sinnlosen Aktion so eine große Aufmerksamkeit kriegt ist sehr selten. Und auch wenn sich die Reaktionen fast ausschließlich auf Witze und Memes beschränken – Es ist und bleibt Aufmerksamkeit. Auf Twitter feiert sich die IB dafür, wie viral ihre „Besetzung“ der CDU-Parteizentrale ging. So postete Martin Sellner, Aushängeschild der österreichischen Identitären Bewegung: „ Danke für das pushen unsere mr Aktion :D“

Ignorieren oder Reagieren?

Doch die Frage ist aktueller denn je: Wie umgehen mit Rechten? Soll man sie ignorieren oder besser darauf reagieren und dadurch Gefahr laufen, ihnen das zu geben, was sie wollen: Aufmerksamkeit.
Das ist oftmals geplant, Beispiele dafür gibt es genug. Die AfD versucht, durch gezielte Provokationen Aufmerksamkeit zu erregen. Und die Neonaziszene in Dortmund will sich durch öffentlichkeitswirksame Provokationen wichtiger und größer machen, als sie eigentlich ist.
 Bisher wird meist über solche geplanten Provokationen berichtet – und dadurch den Provokateuren in die Hände gespielt. Hätte man also die „Besetzung“ der verlassenen CDU-Parteizentrale ignorieren sollen? Nein.
Hätte man die selbsternannte Besetzung nicht kommentiert, hätten die Identitären die Aktion so umdeuten können, wie sie wollen. Auch machten die Reaktionen die Aktion nicht größer, als sie war. Viel mehr zeigte #Ibsterblockade ganz deutlich, wie klein und lächerlich die selbsternannte Besetzung war.

Die Entscheidung fällt oft nicht leicht

Es war gut, dass #Ibsterblockade die „Besetzung“ so lächerlich gemacht und damit thematisiert hat. Besser jedenfalls, als wenn sich die Identitäre Bewegung ohne Gegenstimmen für ihre selbsternannte Besetzung gefeiert hätte. Trotzdem sollten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir in Zukunft mit gezielten rechten Provokationen umgehen. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, ob wir wirklich twittern, berichten oder kommentieren sollen und müssen – Oder eben nicht. Sonst laufen wir Gefahr, genau das zu tun, was sie wollen: Ihnen Aufmerksamkeit schenken.
 Das aber muss von Situation zu Situation entschieden werden. Oft gibt es gute Gründe dafür, auf rechte Entgleisungen oder Provokationen Aufmerksam zu machen. Die Entscheidung fällt oft nicht leicht. Um es mit der Jungle World zu sagen: Es bleibt kompliziert.

 

Beitragsbild: CC0, freestocks.org (Unsplash)

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