Katalyst Konferenz

Um was es ging

Jachten, neueste Smartphones, Edeluhren und Flüge gen Südsee sorgen für Naturzerstörung und sind gleichzeitig ungleich verteilt. Doch es ist aus dem Menschen nicht herauszukriegen und vermutlich älter als unser Wirtschaftssystem: Das Bedürfnis nach Luxus.

Als Lösung für eine inklusivere und zukunftsfähige Gesellschaft wird neuerdings der Luxus der einfachen Dinge gepredigt: Aber sind „dematerialisierte“ Luxusgüter wie Zeit, Zuneigung oder Gesundheit wirklich der wahre Luxus für alle  – oder handelt es sich hier nur um eine perfidere und indirektere Form der Abgrenzung, die Luxus scheinbar stets ausmacht?

Luxus, abgeleitet von dem lateinischen Wort luxare (ausrenken) ist bereits dem Wortsinn nach, eine Entrückung. Wie aber kann man dann das Bedürfnis nach dem Besonderen wieder gesellschaftlich einrenken? Oder können wir uns Luxus in Zeiten massiver Ungleichheit und resultierender gesellschaftlicher Spaltung schlichtweg einfach nicht mehr leisten?

Diese Konferenz verband das Denken mit dem Handeln und beantwortet die folgenden Fragen:

  • Was ist das Problem mit materiellem Luxus?
  • Ist dematerialisierter Luxus die Lösung?
  • Welche anderen Vorstellungen vom zukunftsfähigen Luxus gibt es?
  • Wie kommen wir dahin?
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Programm

oliver czulo
oliver czulo

11 – 11:30 Vortrag, 15min Diskussion, 15min Pause:
Neue Perspektiven auf Luxus finden und kommunizierenOliver Czulo

Luxus, das erscheint uns mal als Belohnung, aber öfter noch als Überfluss und Verschwendung. Wie sich Luxus mit dem Gedanken der Ökologie vereinen lässt, muss praxisorientiert geklärt werden. Aber wie können wir einen solchen Luxus positiv kommunizieren? Oliver Czulos Vortrag und die anschließende Diskussion zeigen Lösungsansätze.

vivian frick
vivian frick

12 – 12:30 Vortrag, 15min Diskussion, 15min Pause:
Was uns am alten Luxus hält und wie neuer Luxus möglich ist Vivian Frick

Unser Konsumstil muss suffizienter werden, aber gleichzeitig bedient Konsum viele Bedürfnisse. Ist Luxus ebenfalls ein solches Bedürfnis, und wenn ja, ist es zwingend an negative Umweltwirkungen gekoppelt? Diese Fragen werden aus Sicht der Umweltpsychologie diskutiert.

jana gebauer
jana gebauer

13 – 13:30 Vortrag, 15min Diskussion, 15min Pause:
Am Beispiel des Luxus: Kosten und Nutzen einer imperialen LebensweiseJana Gebauer

Die Unternehmensforscherin mit Faible für Postwachstums-Science-Fiction diskutiert guten und schlechten Luxus auf den Planeten Urras und Anarres und empfiehlt für die Erde einen Luxus der Selbstbeschränkung.


14 – 16:30 Werkstatt I

Teilnehmende sind eingeladen an zwei Werkstätten teilzunehmen. Wer möchte, kann auch einer einzelnen Gruppe treu bleiben. Werkstätten werden von den folgenden Organisationen angeboten:

  • transform Magazin: Neuen Luxus und das Gute Leben beschreiben – eine Medien- und Textwerkstatt.
  • Fairbindung e.V.: Die üblichen Verdächtigen – Wie erreicht man Zielgruppen jenseits der eigenen Blase?
  • Raja Donkowa, Juristin: Wie kann ein maximal ökologisch nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel sinnvoll angeregt werden? Vom Finden einer Strategie, bis zu Ideen einer Parteigründung.
  • Upcycling Future Lab Berlin: Upcycling und Reparatur für alle! Eine offene Werkstatt und die Frage: Wie können wir neue Zielgruppen erreichen?
  • Einen “Tag des guten Lebens” umsetzen – im Neuköllner Körnerkiez (Julia Stürzl), Lichtenberg (Barbara Kenzler) und Wedding (Susanne Terhardt)

16:30 – 17 Pause
17 – 19 Werkstatt II


19 – 20 Uhr: Fishbowl-Diskussion


Hintergrund der Konferenz

Luxus zu kritisieren ist freilich nichts Neues. Schon Aristoteles galt die Verschwendung ebenso als ein Laster wie der Geiz und bereits Jean-Jacques Rousseau sagte: „Der Luxus nährt vielleicht hundert Arme in unseren Städten, aber er bewirkt den Tod von Hunderttausend auf dem Lande.“ Seit jeher wird Luxus als „Dekadenz” verunglimpft. Die Geschichte ist dabei immer die gleiche: Die hart arbeitenden Menschen werden von der eigenen, dekadenten Elite dominiert. Als Beispiel muss immer wieder das antike Rom herhalten. Dabei taucht Décadence als geschichtsphilosophischer Begriff erst im 17. Jahrhundert auf – lange nach dem Untergang Roms, der viele Gründe hatte. Purpur, Wein und Orgien waren dabei kaum entscheidend.

Und seien wir doch mal ehrlich: Wir alle gönnen uns gern etwas und brechen so auch aus dem Alltag aus. Die Lösung kann also nicht sein, Luxus abzuschaffen!

Luxus ist per Definition eine Ausnahme, etwas Besonderes – das heißt jedoch nicht, dass nur wenige Menschen die Ausnahmen genießen dürfen.

Welche Formen von immateriellem Luxus für alle erreichbar sind, wie diese sich gerechter verteilen lassen und ob Zeitwohlstand und das Teilen von Produkten wirklich nachhaltiger sind, wollen wir auf dieser Konferenz herausfinden.

Organisiert wird diese Konferenz von transform Magazin und Weltweiterdenken e.V. (wwd e.V.). Der Verein setzt sich für eine gerechtere, sozialere und ökologische Umwelt ein.

Die Konferenz fand zwischen 11 und 20 Uhr im Crack Bellmer, RAW-Gelände, Berlin statt.


Ein paar Eindrücke von André Groth:


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