Über eine Anleitung zur Karriereverweigerung

Über eine Anleitung zur Karriereverweigerung

  Ich befinde mich in der Universität Leipzig. Der Vorlesungsraum ist brechend voll, das Publikum äußerst gemischt. Vor uns sitzen drei Personen, eine von ihnen trägt einen Anzug und einen auffallend gepflegten Haarschnitt. Das verwundert sehr, denn die degrowth Konferenz besticht durch einen eher hippiesken look ihrer Teilnehmer*innen. Mit dem Kontrast zu Dreads und Jogahosen will hier jemand offensichtlich provozieren. „Anleitung zur Karriereverweigerung“ als Titel einer Vorlesung scheint einen Nerv zu treffen, der alles andere als abschreckt und vielmehr durch alle verschiedenen Gruppierungen hindurch auf gewaltiges Interesse stößt. Stakkatoartig liest der Mann im Anzug eine Aufzählung von Krisen vor. „Klimakrise, […]

Schmeiß den Lebenslauf weg und say yeah.

Schmeiß den Lebenslauf weg und say yeah.

  Meine Bildung besteht zum größten Teil aus Lücken. Alfred Polgar   Immer wieder verwerfen Menschen ganze Lebensträume, weil sie sich Sorgen machen. Nicht etwa aus Angst vor dem Unbekannten oder Ehrfurcht. Sie machen sich Sorgen über Lücken auf einem Stück Papier, welches den angeblichen Verlauf des eigenen Lebens darstellen soll. Es hat nichts mit einem Tagebuch zu tun. Unser erster Kuss ist dort genauso wenig zu finden wie unser letzter Festivalbesuch oder das Wochenende am See mit der ganzen Familie. Ihr alleiniger Zweck ist die Zurschaustellung der eigenen Qualitäten. Der kommerziell verwertbaren, wohlgemerkt.

Warum braucht es transform?

Wir alle wissen: etwas muss sich ändern. Klimawandel, Finanzkrisen, Ich-Krisen, Krisen überhaupt.  Es gibt mehr als genug. Zuviele, als das wir noch den Überblick behalten könnten. Doch können wir Politik und Unternehmertun vertrauen, sie zu lösen? Können wir das, wenn unsere Lebensrealität eigentlich etwas anderes von ihnen verlangt? Analysen und Forderungen gab und gibt es genug. „Man müsste…“ und „Die Politik sollte…“ –  das alles nervt ziemlich. Deshalb wollen wir einen Schritt weitergehen und Ideen sowie Menschen vorstellen, die bereits etwas anders tun. Sie haben umgedacht und handeln. Sie mögen nicht alles richtig machen. Sie experimentieren. Aber sie alle leben […]

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