© Sophie Boche

Ozeanheld*in werden: In 5 Schritten ein Ökosystem retten

Die Meere sind Lebensgeber aber leider auch total bedroht. So kannst du einen kleinen Beitrag zu ihrer Rettung leisten.

Kaum scheint der Winter überwunden und der Sommer lächelt uns an, da denken wir schon an die Ferien. Der Urlaub wird eingereicht oder Klausurpläne gecheckt und los kann es gehen mit der Urlaubsbuchung. Oft geht es ans Meer. Viele Deutsche lockt die Nord- und Ostsee, für andere geht es ans Mittelmeer oder noch weiter.

Strände und Meere sind nicht nur Urlaubsorte und eine alles verschlingende Wassermasse sondern Lebensgeber, Nahrungsquelle und Retter in der Not. Rund 200 Millionen Menschen leben vom Fischfangsektor, für viele ist Fisch dabei die einzige Proteinquelle. Obwohl der Ozean eine essenzielle Lebensquelle ist, wurde er seit Anfang der Erdgeschichte nicht nur schonend genutzt. Seit Jahrzehnten werden Abwasser eingeleitet, Plastikprodukte aus Flüssen eingeführt, Atommüll unweit von Küsten versenkt und das Meer als unendlicher Kohlenstoffdioxidspeicher genutzt. In der Tat fungiert das Meer als Kohlenstoffsenke, nimmt etwa 30 Prozent des Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf. Doch in sogenannten Auftriebsgebieten kommt ebendieses CO2 wieder hoch. Es wird wieder in die Atmosphäre abgeben oder ätzt als saures Wasser die Lebensbausteine von Schalentieren weg. Die Austernbestände an der Westküste von Nordamerika nehmen deshalb gerade dramatisch ab.

Auch aus anderen Gründen stellt uns die globale Erderwärmung und atmosphärisches Kohlenstoffdioxid vor Herausforderungen: Das Meer kann nicht mehr so viel Kohlenstoffdioxid aufnehmen, die Konsequenzen hieraus wirken ungleich. Inselstaaten in Ländern des Globalen Südens sind stärker betroffen als Industriestaaten. Doch deprimiert sein nützt nichts. Was hilft gegen die Plastikflut im Meer, Versauerung und Ozeanerwärmung? Wir geben Tipps, denn: Das Gute Leben braucht Heldinnen und Helden für den Ozean!

1. Weniger Müll ist mehr Qualität!

Wenn du zwischen verschieden verpackten Produkten die Wahl habt, wählt lieber keine, die in mehrere Lagen Plastik eingewickelt sind. Selbst wenn ein völlig plastikfreies Leben unmöglich ist, helfen Einkäufe in Unverpackt-Läden, Wochenmärkten oder einfach nur von wenig verpackten Produkten gegen die Plastikflut im Meer. Eine weitere Möglichkeit, sich gegen die Vermüllung der Meere einzusetzen, sind ‘Plastic Attacks’, bei denen du deine eingekauften Produkte im Supermarkt auspackt und den Plastikmüll demonstrativ im Laden lasst. Positiver Nebeneffekt: Du sparst dir das rausbringen vom Müll!

2. Kosmetikprodukte auseinander nehmen

Manchmal erfordert die Rettung der Meere etwas Detektivarbeit. Zum Beispiel die Inhaltsstoffe in deiner Kosmetik- und Hygieneprodukte. Peelings, Körperpflege, Shampoos, Sonnencreme, Puder, – ja sogar Lippenstifte – enthalten Mikroplastik. Mikroplastik sind kleine und feine Kunststoffteilchen, die den Abfluss hinunter gespült werden, in der Kläranlage aufgrund ihrer Größe nicht herausgefischt werden können, dafür aber im Meer wiederum von Fischen gefressen werden. Helfen können dir dabei Apps wie CodeCheck oder ToxFox, mit denen du den Barcode von Kosmetika scannen und so die Inhaltsstoffe sehen kannst.

3. Kleider machen umweltbewusste Leute

Sogar Kunstfasern von Kleidung hinterlassen Plastikspuren, die in unseren Meeren enden. Aus diesem Grund ist es besser, Kunstfaserkleidung zu meiden. Baumwolle, Leine, Wolle oder natürlichen Fasern liegen genauso gut auf der Haut und tun der Umwelt gut. Es erleichtert dir den Alltag, weniger häufig deine Kunstfaser-Kleidung zu waschen und dabei noch das gute Leben zu genießen.

Ansonsten hilft es schon, die Augen offen beim Weichspüler zu halten. Der setzt nämlich synthetische Fasern deiner Kleidung frei, die dann über die Flüsse ins Meer gespült werden. Wahre Ozeanheldinnen und -helden nutzen keinen. Sie sind nicht nur teuer, sondern auch unnötig. Was stattdessen hilft und das Leben vereinfacht, sind Hausmittel wie Zitronensaft oder Essig – völlig natürlich für genau den gleichen Effekt und in jedem in jedem Geldbeutel drin.

Ozeanheld_innen sind auch Klimaretter_innen

Eine Mission kommt niemals allein und beim Klima und Meer geht es auch nicht ohne einander. Der Ozean und das Klimasystem sind auf verschiedene Weise miteinander verbunden. Während das Meer das Klima reguliert, leidet es auch stark unter der globalen Treibhausgasemissionen. Wenn Ihr das nächste Mal in den Supermarkt geht und Steak kaufen wollt oder tausend Kilo französischen Käse, lohnt sich ein Gedanke an Umwelt- und Klimaschutz. Genussvoller Konsum kann beispielsweise nachhaltig erfolgen, wenn Ihr auf Saisonalität und Regionalität von Obst und Gemüse achtet oder auch dem Weg in den Urlaub deinen Ökologischen Fußabdruck schonst. Es ist so schön an der Ost- und Nordsee, in den Alpen, im Harz, oder anderen wunderschönen europäischen Orten, die mit Bus und Bahn erreichbar sind.

5.) Schaffe Aufmerksamkeit

Ein weiterer wichtiger Schritt ist es, Informationen einzuholen und Wissen zu streuen. Ganz nach der Devise ‘Sharing is Caring’ kannst du deinen Freundeskreis und deine Familie mit ins Boot holen. Statt sich als Konsument_in den Kopf zu zerbrechen, können wir Produzent_innen in die Mängel nehmen. Wie so immer ist Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg: Es kann nur helfen, mit Leuten darüber zu sprechen, wie wichtig der Ozean ist und wie sehr wir von seinem Erhalt abhängen. Vielleicht klingt es pathetisch, doch: Kleine Taten haben oft eine große Folge. Die Filialleiterin deines Stammsupermarkts weiß vielleicht noch nicht, wie ätzend du Plastikverpackungen findest. Auch deine lokalen Politiker_innen freuen sich über Post, wo sie zu Gesetzesinitiativen zum Meeres- und Gewässerschutz inspiriert werden.

Das ist noch nicht einmal alles. Auch beim Wählen kannst du dich für eine Partei entscheiden, die sich bei der Europäischen Union für ein Verbot von Mikroplastik stark macht oder eine Partei, die stärkere Klimaschutzambitionen hat. Macht es vor und steckt andere an: Klimaschutz ist großartig!

Die Herausforderungen unserer Weltmeere sind riesig: Überfischung, Ausbeutung mariner Ressourcen, Mikroplastik, Meeresspiegelanstieg, Versauerung, globale Erderwärmung, Bleichen von Korallenriffen und so vieles mehr. All das können wir als Konsument_innen nicht an der Supermarktkasse lösen. Es braucht mutige Entscheidungsträger_innen, die effektive Fangquoten beschließen; starke Institutionen, die diese durchsetzen; wir brauchen eine ambitionierte Bundesregierung, die verbindliche Klimaschutzziele setzt und hartnäckige Klimadiplomat_innen, die bei internationalen Klimakonferenzen auf den Tisch hauen.


Text: Von der Ostsee bis zur Nordsee, Mona Hosseini und Marie Harbott sind eng mit dem Meer verbunden und streben das Dasein als Ozeanheldinnen an, indem sie das NGO Projekt „4sea“ (ein Teil von „CliMates“) leiten. Während Mona an ihrer Masterarbeit in „Environmental and Resources Economics“ in Kiel arbeitet, zügelt Marie an ihrer Doktorarbeit über Ozeanversauerung. 

Illustration: Sophie Boche

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