Unser Müll sorgt gerade für Schreckensnachrichten und ist gleichzeitig Modethema. Zum einen ist Deutschland mit 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf und Jahr EU-Meister. Zum anderen schießen in allen Städten hippe Unverpackt-Läden aus dem Boden und auf Instagram inszenieren sich Zero-Waste-Bloggende mit wieder verschließbaren Glasbehältern.

Sylvia Lundschien schreibt dazu: „Auffällig häufig sind es dabei weiße Frauen aus der Mittelschicht wie die Französin Bea Johnson oder die US-Amerikanerin Lauren Singer, die den Ton in der Zero-Waste-Szene angeben. Ihr Markenzeichen: ein Schraubglas, in das ihr gesamter Jahresmüll passt und das sich in zahlreichen Clips auf YouTube bewundern lässt. Statt Klamotten-Hauls oder Schminktipps präsentieren beide Youtuberinnen Alternativen ohne Verpackung oder Ideen, wie sich Alltags-Produkte nachhaltig ersetzen lassen. Zu ihren Tipps gehören unter anderem selbstgemachtes Deo, Waschmittel oder Plastikvermeidung beim Einkaufen. Doch innerhalb der Null-Müll-Bewegung wird kritisiert, dass das Konzept eher Zero Home Waste heißen müsste – denn manchen Verpackungsmüll für ihre Ausgangsprodukte lassen die Zero Waster schlichtweg im Laden zurück. Damit fällt er nicht in ihre Bilanz. Was daheim noch an Abfall anfällt, wird aufgewertet, recycelt oder kompostiert. Klingt irgendwie vertraut, wenn ich an meine Kindheit in Ostdeutschland denke…“

Doch auch wen sich Einiges an der Zero-Waste-Bewegung kritisieren ließe: Es braucht sie dennoch. Diese drei Dokus zeigen warum und wie Lösungen aussehen:

Plastic Planet – Eine Tour durch unsere (Plastik-) Welt
Diese Kino-Dokumentation von Werner Boote ist zwar bereits aus dem Jahr 2009, hat aber bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Es ist eine globale Reise durch eine Welt, die von Plastikprodukten beherrscht wird. Und sie beginnt zuerst bei der eigenen Familiengeschichte: Der Großvater des Filmemachers Werner Boote war in den 60er Jahren Geschäftsführer der Interplastik-Werke. So war Boote von klein an mit diesem Thema vertraut. Es kommen auch Chemiker zu Wort, welche die chemische Zusammensetzung dieser Produkte erklären und die Gefahren, die zum Beispiel von den darin enthaltenen Weichmachern ausgehen, vor Augen führen. Auf seinem Streifzug durch unterschiedlichste Landschaften zeigt Boote wie drastisch die Auswirkungen auch und vor allem auf die Umwelt sind. Hier geht’s zum Video:

Null Müll: Schluss mit dem Abfallwahnsinn
Es gibt sie, die kleinen Lichtblicke und großen Hoffnungsschimmer, die beweisen, dass ein Umdenken immer möglich ist. Diese kleine aber feine Reportage zeigt an verschiedenen Beispielen, wie couragierte Menschen der Umweltverschmutzung durch unreflektierten Konsum und der damit verbundenen Wegwerfgesellschaft entgegentreten. Da ist zum Beispiel eine ganze Dorfgemeinschaft in der italienischen Toskana, die innerhalb weniger Jahre ihren Abfall nicht nur drastisch reduzierte, sondern auch perfekt recycelt. Oder das Modell der „Unverpackt“-Läden in Deutschland, hier wird auf Einwegverpackungen komplett verzichtet. Zu guter Letzt geht es nach Hamburg: hier wird ausrangierten Einrichtungsstücken im staatlichen Möbelhaus „Stilbruch“ ein neues Leben geschenkt. Eine sehr inspirierende Dokumentation! Hier geht’s zum Video

Mein Minimalismus – Konsumverweigerung als Lebensstil
Müll hat im Alltag viele Gesichter und doch eines gemeinsam: am Anfang steht immer der Konsum. Diese Webreportage lässt Menschen erzählen, die auf ganz unterschiedlichen Wegen einen zum Teil radikalen Verzicht leben. Und damit glücklich wurden. Und doch liegen ihre Entsagungen außerhalb so mancher Komfort-Zone. Da werden schon Mal Damenbinden aus Moos hergestellt, oder die Haare mit Asche gewaschen. Wer sind diese Menschen? Das sind zum Beispiel Einzelkämpfer wie Rob Greenfield, der sich auf seiner Reise durch die USA ausschließlich von weggeworfenen Lebensmitteln ernährt, oder sogar ganze Familien, wie die des Selbstversorgers Ralf Roesberger auf seinem eigenen Hof. Ihre spannenden Geschichten erzählen sie in diesem Beitrag. Hier geht’s zum Video

 

Beitragsbild von Maximilien Weiss. Der Illustrator pendelt zwischen München und Brüssel und mag knallige Farben. Die zwei Frauen im Vordergrund des Beitragsbilds sind die Minimalistinnen Béa Johnson und Lauren Singer.

Filmempfehlungen von FEATVRE einer von Netflix, Amazon & Co. unabhängigen Streaming-Plattform. Das Team empfiehlt Dokumentationen, Reportagen und Non-Fiction Beiträge im Netz. Auf ihrer Website und in ihren Apps sind ausgesuchte Inhalte nationaler und internationaler Online-Mediatheken zu finden.

[Beitragfotos: Wikimedia]

 

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