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Es ist eine geschickte Marketing-Aktion von Adidas, die auf ein wichtiges Thema aufmerksam macht. Als der FC Bayern Anfang November gegen den TSG 1899 Hoffenheim antritt, ist nicht nur wichtig, wie die Spieler auf dem Feld spielen – sondern auch, was sie anhaben. Die Bayern-Spieler traten nämlich in Trikots an, die zu 100% aus Plastikmüll, der aus den Ozeanen gefischt wurde, bestanden.

Der Sportartikelhersteller aus dem fränkischen Herzogenaurach arbeitet mit der Initiative „Parley for the Oceans“ zusammen. Adidas ist ganz nebenbei auch dessen Mitbegründer. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ozeane zu retten. Der Fokus der Arbeit liegt dabei darauf, die Ozeane von Plastikmüll zu befreien und auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Mit der Aktion, den FC Bayern in Trikots aus Plastikmüll auflaufen zu lassen, bringt der Initiative auf jeden Fall Aufmerksamkeit.

Klingt alles gut? Wir sollten nicht voreilig sein

Das Engagement des Sportartikelherstellers zeigt den Trendwechsel innerhalb der Sportartikel-Markts. Hin zu mehr Umweltschutz und nachhaltiger Produktion. Auch Nike will grüner werden.

Natürlich ist es gut, wenn Sportartikelhersteller auf die Problematik hinweist, dass Tonnen von Plastikmüll jährlich in die Ozeane gelangt. Die Frage ist, wie energieintensiv dieses Verfahren ist. Bis der Plastik gesammelt, gereinigt, recycelt und neu verarbeitet wird ist es ein weiter Weg. Aber dass so der Plastikmüll aus den Meeren gefischt wird – wenn auch nur ein kleiner Teil – ist schon einmal ein Anfang. Und auch wenn es, wie Utopia.de richtig schreibt, besser wäre, wenn „erst gar kein Plastik in den Meeren landen würde – und man ihn im Sinne der Kreislaufwirtschaft direkt dort abholt, wo er entsteht.“ Die verschiedenen und für sich genommen sinnvollen Initiativen, die Meeresplastikmüll wiederverwenden, könnten also nur ein Zwischenschritt sein, so Utopia.de weiter.

Natürlich wäre es sinnvoller, würden wir mehr auf Plastik verzichten oder sogar ganz verpackungsfrei leben. Das geht auch schon im Kleinen. Indem man zum Beispiel keine Plastiktüten mehr kauft oder auf Plastikflaschen verzichtet. Hier sind einige Beispiele aufgelistet. So lange aber eine komplett plastikfreie Welt noch in weiter Ferne liegt, ist Adidas‘ Engagement doch ein guter Anfang, oder?

 

Oder ist es Greenwashing? Etwas wird als „Greenwashing“ bezeichnet, wenn Unternehmen versuchen, ihr Image umweltfreundlicher wirken zu lassen, ohne dass sich das Unternehmen wirklich für Umweltschutz einsetzt. Greenpeace bezeichnete unter anderem Adidas 2013 als „Greenwasher“. Und so ganz unberechtigt ist das nicht. Ziele hat Adidas zwar, aber passiert war bisher wenig, mehr als Lippenbekenntnisse gab es nicht. Allerdings soll der jüngst herausgebrachte Schuh aus 95% Ozean-Plastikmüll erst der Anfang sein. Wenn das stimmt, und weitere Unternehmen nachziehen, könnte das zu einem Umdenken bei Unternehmen wie bei Verbrauchern führen. Wenn es aber nur bei ein paar Sneakers und Trikots aus Meer-Plastik bleibt, wird das auf Dauer keinen nachhaltigen Effekt haben.

So lange aber eine komplett plastikfreie Welt noch in weiter Ferne liegt, ist Adidas‘ Engagement doch ein guter Anfang, oder?

Bevor man allerdings aus den Aktionen des Unternehmens Schlüsse zieht, sollte man abwarten. Erst, wenn klar ist, ob Adidas es mit dem Umweltschutz ernst meint oder nicht, wird sich zeigen, ob das Engagement mehr ist, als eine Marketing-Aktion, um das Unternehmen mehr „grün“ wirken zu lassen.

 

Beitragsbild: CC0, Janina Meyer (Unsplash)

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