Wir leben in einer Zeit, in der Konzerne mehr Geld verdienen als ganze Staaten und Menschen aus Spaß aus dem Weltraum fallen lassen. Wir leben in einer Zeit, in der die Produkte, die wir kaufen, mehr von der Welt gesehen haben, als wir selbst. Wir leben in einer Zeit, in der wir Urlaubsfotos, Katzen-Gifs und Geld in Bruchteilen einer Sekunde ans andere Ende der Welt schicken können.

Unsere Welt wird globaler, sie wird digitaler. Diese Entwicklungen sind an sich weder positiv oder negativ. Aber schaffen wir es auch, die Welt fairer zu machen? Ich glaube, wenn wir Dinge anders denken, Mut zu neuen Ideen haben und ein paar alte Traditionen wiederaufleben lassen, könnte dieses Jahrhundert  das schönste in der Geschichte der Menschheit werden. Und vor allem nicht das letzte.

Das kann nur geschehen, wenn gute Arbeit auch gut bezahlt wird, wenn der nie dagewesene Reichtum allen zugute kommt und wir uns auf Augenhöhe begegnen.

Um das zu erreichen, verbinden wir eine alte und mächtige Idee mit den Technologien von heute. Wir machen aus einer jahrhundertealten Tradition, die auf jedem Kontinent der Erde gelebt wird, ein Werkzeug zur globalen Umverteilung. Wir machen aus dem altbekannten, alltäglichen Trinkgeld das globale Trinkgeld.

Stell Dir vor, Du könntest denjenigen Trinkgeld geben, die Dein Produkt gemacht haben. Du kaufst online einen Kaffee und kannst den Lohn der Pflückerinnen und Pflücker aufbessern.

Ich bin Jonathan Funke und das ist die Vision von tip me. Wir sind mittlerweile ein Team aus 5 Leuten, haben den Future Award gewonnen, werden von Zeit Online medial begleitet und arbeiten mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung wissenschaftlich zusammen. Unsere Partner und wir wissen, dass diese Idee Vieles grundlegend verändern wird.

Ich studiere nachhaltige Unternehmensführung und habe letztens mit meinem VWL-Professor philosophiert. Er meinte, das globale Trinkgeld habe das Potenzial eine neue ökonomische Kraft zu werden, die die Grundlagen unserer Wirtschaftsweise neu denkt:

Zum ersten Mal können wir den Wert eines Produkts selbst bestimmen. Und selbst verteilen.

Die klassische Diskussion am Essenstisch ist doch:

“Ich will nicht das Billigste kaufen. Das kann nicht gerecht zugehen.”

“Aber nur weil Du mehr bezahlst, weißt Du ja nicht, dass auch mehr ankommt.”

Wir sagen: Beide haben recht und deshalb brauchen wir ein System, bei dem höhere Preise direkt bei Arbeiterinnen und Arbeitern ankommen  Bisher baut unser Wirtschaftssystem darauf auf, dass Unternehmen so günstig wie möglich einkaufen und so teuer wie möglich wieder verkaufen. Der Gewinn bleibt so meist in den reichen Ländern. Bei den Menschen ganz am Anfang der Produktionskette bleibt da nicht viel übrig. Das wissen wir alle und das wollen wir nicht.

Deshalb verlassen sich viele auf Siegel und Siegel verlassen sich auf Mindestpreise. Aber wir von tip me glauben nicht, dass Mindestpreise das Allheilmittel sind. Denn fairer Handel kommt von handeln. Stattdessen verbinden wir den Konsumenten und Produzenten direkt miteinander, um die Gewinne an die zurückzugeben, die sie erarbeiten: die Menschen, die Dein Produkt gemacht haben.

Ein fester Preis ist doch langweilig.

Wir wollen von unseren Produkten selbst den Wert schätzen und die Menschen dahinter wertschätzen.Das globale Trinkgeld ist eine Art Startkapital für den Anfang der Produktionskette. Das Interessante an unserer Wirtschaft ist ja: Dort wo Kapital ist, kommt noch mehr hinzu. Genauso ist es auch hier. Wenn die Bäuerinnen und Bauern globales Trinkgeld erhalten, können sie Vieles endlich wieder selbst entscheiden: Sie können das Land zurückkaufen, auf dem sie arbeiten. Sie können die Maschinen kaufen, die sie brauchen. Sie können sich und ihre Kinder bilden. Sie können ihre Ernte dann verkaufen, wenn sie die Preise gerecht finden. Ich glaube, das nennt man fairen Handel.

Und egal ob man sich der klassichen Wirtschaftstheorien oder den Gedanken von Marx bedient, in einem sind sie sich einig: Der einzige Weg das Leben der Menschen nachhaltig zu verbessern, ist den Gewinn eines Produkts in die Menschen zu investieren. Wohlstand ist dann möglich, wenn die Menschen gebildet sind, wenn sie die Produkte vor Ort selbst veredeln können und sie selbst die Preise bestimmen können und nicht internationale Großkonzerne.

Das ist es, was das globale Trinkgeld von anderen Ideen unterscheidet: Es gibt uns die Möglichkeit, selbst zu entscheiden. Wir entscheiden selbst, was uns ein Produkt wert ist und wer diesen Wert bekommen soll. Und die Bäuerinnen und Bauern entscheiden selbst, wie sie mit dieser Wertschätzung ihr Leben und Arbeiten schöner gestalten.


Jonathan Funke erkennt man leicht an seinen Locken und seiner „Das-Leben-ist-schön“-Mentalität. Weil das Leben aber noch viel schöner sein könnte, macht er Projekte zum neuen Arbeiten, das besagte globales Trinkgeld und schreibt für die transform.

 

Beitragsbild: João Silas on Unsplash

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