~ Aktiv zu sein, das kostet Kraft. Aber es gibt keine Gewerkschaft für Akademiker*Innen. Wir müssen uns selbst wehren. ~

– Verena Porsch (28)

 

Als der Akademische Frühling beginnt, ist es eigentlich schon Frühsommer. Sein Auslöser ist eine einfache Stellenausschreibung. Sie gleicht Tausenden anderen und doch ist sie die eine zu viel. Am 21. Mai 2014 veröffentlicht die International Civil Society Centre GmbH ihr Angebot:

18-Monate, Vollzeit-Trainee als Persönlicher Assistent des stellvertretenden Geschäftsführers. Aufgaben: Das administrative Geschäft, der Sekretariatsalltag. Eigenverantwortlich und lösungsorientiert, auch unter Zeitdruck. Lohn: Gerade einmal 900,-€ / Brutto.

Mehr als 12.000 Menschen erhalten das Stellenangebot über die Mailinglist der „Nachwuchsgruppe der Sektion Internationale Beziehungen der Deutschen Vereinigung für Wissenschaft“. Der User „Franz Schröder“ äußert sich als Erster. In zehn Punkten legt er dar, warum er die ausgeschriebenen Arbeitsbedingungen für Ausbeutung hält. Auch wenn das Arbeitgeber nicht zwingen könne, anders zu handeln, sei es wichtig, die allgemeinen Normen zu bekräftigen, schreibt er. „Schröders“ Wortmeldung zeigt Wirkung. Ein Sturm der Entrüstung bricht über das gemeinnützige Civil Society Centre herein und zwingt es schließlich zum Rückzug der Ausschreibung.

 

Der Akademische Frühling ist geboren.

In kürzester Zeit tragen hunderte Menschen unfaire Stellenangebote bei Facebook zusammen und prangern die Zustände öffentlich an. Doch der Tatendrang einiger Unterstützer reicht über den reinen Online-Aktivismus hinaus.

Wie absurd ist die Frage ‚Wo sehen Sie sich in drei Jahren‘
Ein Kennenlern-Blind-Date wird verabredet. Sechs der Teilnehmer sind beim zweiten Treffen noch dabei und bilden jetzt den aktiven Kern der Initiative. Verena gehört dazu. Sie alle haben ihren persönlichen Grund zur Auflehnung gegen die prekären Beschäftigungsbedingungen vieler Akademiker*Innen. „Wie absurd ist die Frage ‚Wo sehen Sie sich in drei Jahren‘, wenn man sich auf eine befristete Stelle für zwei Jahre bewirbt?“, schmunzelt Verena. „Wäre es nicht interessanter, welche Hobbies ich habe und ob ich gut ins Team passe?“

Um die Erwartungen von Arbeitgebern und Arbeitsrecht ging es auch im selbstorganisierten Workshop des AkaF. Verena konstatiert: „Er war unser bisher größter Erfolg, würde ich behaupten. Die 30 Leute, die kamen, waren hochmotiviert und sehr gut informiert über die Situation. Das war toll zu sehen.“ Auch online wächst die Zustimmung. Mittlerweile hat die geschlossene Facebook-Gruppe über 1200 Mitglieder und mit jedem Shitstorm werden sie mehr. Nun tüftelt das Team des Akademischen Frühlings fleißig an ersten Kampagnenideen. Hierfür wird tatkräftige Unterstützung gesucht. Jeder ist bei den Orga-Treffen, die alle vier Wochen stattfinden, herzlich willkommen. „Wir sind kein Verein oder eine streng organisierte Bewegung. Wir geben auch keine konkreten Handlungsempfehlungen oder Richtlinien vor. Wir sind einfach Betroffene, die den Aufstand wollen gegen Ausbeutung und für faire Arbeit.“

 

Titelbild: André Groth für transform (CC SA BY NC)

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