Arbeiten, um mal weniger arbeiten zu müssen

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Chefredakteur Jan hält den Mag-Prototypen in der Hand. Im transform-Hauptquartier um ihn versammelt sind Designerin Anna und Schreiberling Marius.

 

„Ein neues Magazin? Oho! Print, ja? – Und? Wann kommt’s raus?“

So oder so ähnlich sehen Fragen aus, die uns derzeit immer wieder gestellt werden. Zu Recht. Die Idee vom Magazin mit dem Reizthema „Arbeit“ in der Ausgabe numero uno kommt immer noch gut an. Dennoch gibt es berechtigte Zweifel, ob wir es denn nun wirklich schaffen werden, inhaltlich so toll zu sein, wie wir behaupten. Und was dabei aus dem viel zitierten, gefühlt-zu wenig-praktizierten „Guten Leben“ wird.

 

„Und wieviel Kohle macht ihr damit?“

Eine weitere, eine brennende Frage, nicht selten geäußert von Menschen gehobenen Alters mit gefüllter Rentenkasse, die uns wiederholt entgegen schlägt. Berechtigt ist auch diese allemal – denn von was sollen wir nur leben? Kann man denn überhaupt von einem Leben sprechen, wenn man keine Kohle hat? Geschweige denn einem Guten dazu?

Praktischerweise ist der Schwerpunkt unserer ersten Ausgabe so eng mit unserer Lebenssituation verknüpft. Wir, das sind mittlerweile Katharina, Jessica, Franca, André, Marius, Jan und ich sowie stellenweise mithelfende Freunde und Bekannte. Alle pro bono aber pro life. Einige von uns sind erwerbslos, manche verdienen gut, andere  prekär. Manche haben eine Rentenversicherung, manche keine. Uns alle vereint der Wunsch, einer Tätigkeit nachzugehen, die uns irgendwie ein Gefühl von Sinnhaftigkeit geben kann. Und dieser Wunsch ist tatsächlich größer als der nach Sicherheit. Denn: wo kann es denn Sicherheit geben, wenn wir uns nichtmal des Sinnes sicher sind? Wozu dann der Spaß? Ist das nicht vielleicht ein Schlüssel zum Leben, welches den Stempel „gut“ verdient hätte?

 

A propos: Der geht natürlich vor. Der Spaß. Aktuell diskutieren wir Inhalte, die unser Schwerpunktthema um eben jenen erweitern können. Dabei sind Ideen, was man mit seiner ganzen freien Zeit anstellen kann, wenn man gerade nicht schuftet oder wie man am besten blaumacht, auch während man „auf Arbeit“ ist. Weiter geplant sind lustige Abende mit den Jungen Liberalen und Omas Rezension von Welzers neuestem Wälzer. Dass das beileibe noch nicht alles ist, wird der weitsichtige Zeitgenosse ahnen. Und ja, wahrhaftig erscheinen wird das Magazin auch bald. Wir sind bereits geübt im Verschieben selbstgesteckter Ziele mit dem Verweis auf das ja eben so wichtige Gute Leben und die sogenannte „Entschleunigung“. Aktuell angepeilt: Nächstes Jahr. Am besten Januar. Kostenlos zum runterladen.

Damit wäre auch die nächste Frage scheinbar beantwortet. Kohle werden wir mit diesem Projekt in absehbarer Zeit wohl nicht, beziehungsweise nicht viel, machen. Wenn Ihr uns helft, werden wir das Heft nochmal pimpen und dann in den Druck geben, damit es sehr liebe, kluge und wundervolle Menschen dann im Kiosk ihres Vertrauens finden und kaufen können. Wir arbeiten derzeit hart daran, dass es diese Unterstützung wert sein wird und die Menschen, die Geld für dieses Papier auf den Tisch legen, dies ihres Lebens nie bereuen werden.

 

„Und was wird aus uns?“

Nun ja. Wir müssen weiter machen. Wir suchen Teilzeitstellen, neue Nebenprojekte und rackern daran, weitere Inhalte zusammenzustellen, die das Thema „Arbeit“ in ein neues Licht rücken. Wir versuchen, Fragen zu beantworten und neue zu stellen. Antworten auf Fragen wie „Müssen wir angesichts fortschreitender Automatisierung und Effizienzsteigerungen bald überhaupt noch arbeiten?“,  oder „Wie komme ich hier raus?“ sind auf der Habenseite. „Wann gibt es den Roboter, der mir frühs die Marmelade aufs Brot schmiert?“ und „Wann gibt der Staat uns endlich Kohle, damit wir etwas sinnvolles machen können und nicht länger Dinge verkaufen oder herstellen müssen, die hier alles vollmüllen und uns nicht glücklich machen, obwohl die Werbung es verspricht?“ eher im Bereich Soll.

Jedenfalls bemühen wir uns, immer gutgelaunt zu bleiben und niemanden mit Werbung in unserem Magazin zu nerven. Wir geben uns auch die allergrößte Mühe dabei, zu liefern, was wir versprechen, wenn auch mitunter etwas später. Aber hey! Schließlich arbeiten wir hier nicht für shareholder oder ein Leben in Ruhm und Reichtum. Wir werden uns von dieser Arbeit nicht zur Ruhe setzen können auf unserer Karibik-Insel, die wir dann gekauft und mit einem Schloss aus Fairtrade-Schokolade versehen haben werden.  Deswegen ist Eile gar nicht geboten. Wir gestehen uns die Muße zu. Um abzuwägen und zu zögern, zu zweifeln und zu hadern – um dann alles noch einen Tick besser zu machen. Wir erforschen, wie Arbeit und Gutes Leben zusammengehen und das machen wir für euch. Und für uns.

 

 

 

Dranbleiben!

Wir sagen bescheid, wenn das neue Heft kommt.

Garantiert keine nervigen Mails oder Datenweitergabe.