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BLOG ZUM MAGAZIN FÜRS GUTE LEBEN

April 2017
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Du bist es leid, die freundliche Dame vom Bäcker an der Ecke nur herzlich zu grüßen, ohne ihren Namen zu kennen? Du bist unglücklich, den Jüngling aus dem Parterre beim Dinieren nur zu stören, um schnell noch das Paket bei ihm abzuholen? Und Du hast es satt, die kruden Ansichten der schrulligen Alten von gegenüber einfach nur passiv zu ertragen? Viele von uns können einen persönlicheren Umgang mit unseren Mitmenschen gut gebrauchen. Höchste Zeit also, Deine Nachbarn besser kennenzulernen! Denn wo könnten Toleranz für eigentümliche Persönlichkeiten und Empathie für das bislang Unbekannte besser beginnen, als vor der eigenen Haustür? Und wer jetzt auf die Idee kommt, eine dieser besonders smarten Nachbarschafts-Apps, bei der Du „unkompliziert Menschen aus Deiner Umgebung kennenlernst“ aus der Mottenkiste zu zaubern, dem sei gesagt: Anonyme digitale Angebote sind nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Also: Raus aus der Wohnung, rein in die Herzen! Hier kommen unsere 9 Tipps für mehr Gemeinschaft in Deiner Nachbarschaft.

 

Lesen!

Die besten Ideen kommen aus Wuppertal: Beim alljährlichen Ein-Tages-Festival „Der Berg liest“ kann jede*r im Viertel an einem Ort seiner Wahl seine Lieblingsliteratur vorstellen. Alle können vorlesen, Privatiers wie freche Gören, Ladenbesitzerinnen wie Obdachlose. Ob komisch oder selbstgeschrieben, melancholisch oder schaurig – der Charme liegt im Persönlichen sowie den ungewöhnlichen Orten. So kommen Wohnzimmer und Waschkeller oder gar der Platz vor den Geldautomaten der Sparkasse zu neuem Ruhm.

 

Wohnzimmerkonzerte

Musikfreunde in privater Atmosphäre kennenlernen – das versprechen die Initiator*innen der „Wohnzimmerkonzerte“. Es wird zusammen- gerückt, gemeinsam gespeist und auf engstem Raum fantastischer Live-Musik gelauscht. Bei Konzerten in deinem Wohnzimmer kannst Du auch wunderbar die Nachbarn einladen – oder gleich ein eigenes Fest nur für die „Mitbewohner*innen“ schmeißen. Sicherlich die schönste und ausgelassenste Art, Unbekannte zu Wegbegleiter*innen zu machen.

 

Sharing is caring


Der Schraubenzieher, den es für die Montage der Extra-Anfertigung braucht, ist gerade nicht im Werkzeugkasten. Das Zeitungsabonnement verrottet zu oft ungelesen auf dem Wohnzimmertisch, und warum zum Teufel muss ich jetzt wirklich so ein Bohrmaschinen-Monstrum anschaffen?! Es gibt eine einfache Lösung: Teilen! Gerade in großen Mietshäusern oder in kleinen Siedlungen lässt sich vieles gemeinsam nutzen: Werkzeug, Fahrräder, Autos und Know-How. Beim Projekt Pumpipumpe kannst Du Dir dazu Aufkleber bestellen, die Du Dir an den Briefkasten klebst, um direkt zu sehen, wer was teilt. Das geht aber natürlich auch in Persona oder selbst geschrieben.

 

Hecken zu Sitzecken!

Wenn im Hinterhof nur Fahrräder und Rattanmöbel rumstehen und Grillabende nur durch scheinheilige Einladungen im Stile des „Kommt ruhig mit dazu“ über den Gartenzaun flattern, ist es an der Zeit für eine radikale Wende. Hinfort mit den Zäunen und all dem nutzlosen Kram! Und siehe da: Hier kann etwas für alle entstehen! Ruf Deine Nachbarn doch auf, den Garten gemeinsam zu gestalten. Für alle. Dies mag ein Tipp für Fortgeschrittene sein, doch auch die Reserviertesten werden sich kaum des Sogs der gemeinsam gelebten Schaffenskraft und all den darauffolgenden Festen im Garten entziehen können. Also: Schwerter zu Flugscharen und Hecken zu Sitzecken!

 

Das Salz in der Suppe

Kennen wir alle. Doch ist das Salz dann erst einmal aufgebraucht, bietet sich auch für die Schüchternsten unter uns ein dezenter Anlass, um die lieben Nachbarn aufzusuchen. Eine Gelegenheit, die Du Dir nicht entgehen lassen solltest. Nun fehlt nur noch ein kräftiger Schuss Courage, um aus der simplen Bitte um Würze ein Gespräch über Eintöpfe und Pasta und schließlich eine Einladung zum Abendessen für übermorgen zu machen.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Ein kleiner Schritt für Dich, ein großer Schritt für die Gemeinschaft: Überfüllte Jutebeutel mit dem Wocheneinkauf bis zum Küchentisch tragen, unbewegliche Sofas die Treppe hochwuchten oder kurz auf die reizenden Kinder aufpassen: Wir alle wünschen uns manchmal ein wenig Unterstützung im Alltag. Hilfe anbieten, aber auch einfach mal um Hilfe bitten, das schafft gegenseitiges Vertrauen, Wertschätzung und Verbindlichkeit. Und wer weiß, vielleicht wird aus dem Einkäufe schleppen ja dann eine Tasse Tee in der Küche, ein gemeinsames Abendessen, ein Sonntagsausflug – und somit ganz ungeplant der Beginn einer wunder- baren Freundschaft…

 

Pausieren

Seien wir ehrlich – wir sollten alle mal einen Gang runter schalten. Warum dann den Müßiggang nicht gleich in den Dienste der Gemein- schaft stellen? Es ist so einfach: Samstags einen Stuhl vor die Haustür stellen, ein Kännchen Tee und gute Lektüre mitnehmen, und die Hausbewohner*innen grüßen. „Creeeeeeepy…“ könnte so manche*r denken.
Tatsächlich wird aber die eine oder der andere gerne auf einen Plausch stehenbleiben. Bedingungen für eine gelungene Pause: Eine erträgliche Außentemperatur, das Haus liegt nicht an einer Autobahnauffahrt und der Stuhl besitzt ein Minimum an Sitzqualität. Wer sich weiter inspirieren möchte, sei auf diese Aktion des wunderbaren Ministeriums für Glück und Wohlbefinden. Und wer’s etwas weniger „creepy“ möchte, dem empfehlen wir „nützliche Dinge“ wie die Fahrradreparatur oder den Möbelbau von den eigenen vier Wänden in den Hinterhof oder die Einfahrt zu verlegen.

 

Jeder Mensch ist ein Künstler!

Im Sommer lässt es sich ganz hervorragend die Zeit vertreiben und die Kreativität ankurbeln, wenn Du mit Straßenkreide und ein paar Freunden die Straße vor dem eigenen Haus blockierst. Wirkst Du gesellig, kommen nach kurzer Zeit mutige Kinder dazu. Und wenn Du die Kinder vom Block kennst, kommt der Rest von alleine! Zwischenzeitlich auch von Fahrradaktivist*innen als „Parking Day“.

 

Zusammen ist man weniger allein

Auch der Kampf gegen gemeinsam erlittene Missstände kann zusammenschweißen. Gründe gibt es immer, sei es der drohende Abriss der historischen Linde vor dem Haus, eine riesige Werbetafel direkt gegenüber, die nächste Mietsteigerung oder unnötige Renovierungsarbeiten zur Wertsteigerung des „Objektes“. Du kannst den Stein ins Rollen bringen und zur Gegenwehr blasen. Nicht nur, dass sich selbst die spießigsten Nachbarn plötzlich wieder an ihre vermeintlich linken Studententage erinnern dürfen und für hehre Ziele gekämpft wird. Im gemeinsamen Tun und Organisieren rücken alle ein wenig enger zusammen. Beispielhaft inklusiven Protest organisiert z.B. die Berliner Mietergemeinschaft Kotti & Co, die gegen unsoziale Mieterhöhungen und Zwangsräumungen kämpft.

 

Text: transform Redaktion
Illustration: Anna Kaufmann
Beitragsbild: Lubomir Simek, CC

 

 

Der Artikel erschien in unserer zweiten Ausgabe zum Thema Empathie. Diese kannst du direkt in digitaler oder Papierform bestellen.


Kommentare

1
  • Ralf

    Hi,
    neben dem gewiss bekannten Pumpipumpe gibt es auch https://www.fairleihen.de/ . Fairleihen.de funktioniert derzeit nur in Berlin. Es wird aber gerade so angepasst, das es auch für andere Städte gehen soll. Ich glaube ein Startschuss für Leipzig ist schon in hörbarer Nähe. Leider ist die Software noch unfrei. Die Macher aber versprachen mir, mit dem neuen Release die Software unter einer Freien-Software-Lizenz zu stellen. – hoffentlich, ansonsten ist es wieder nur eine weitere Plattform die nicht den Usern, sondern allein den Betreibern gehört.

    Freie Software what the hell? das Standartwerk -> http://freie-software.bpb.de/

    geschrieben am


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